Meducation

In der Einführung habe ich es bereits skizziert, neben der Notfallmedizin an sich ist das damit verbundene Medical Education eine große Leidenschaft von mir. Ich habe große Freude mittels Vortrag, Seminar, Kursinstruktion,  Lehrgespräch/Education, Veröffentlichungen etc. Wissen weiter zu geben. Allerdings bin ich mir bewußt, dass es in der Erwachsenenbildung kaum noch möglich ist Faktenwissen effektiv konventionell zu vermitteln. Vielmehr liegt die Aufgabe des Lehrenden in der Erwachsenenbildung darin das „Feuer der Motivation“ beim Lernenden zu entzünden, sich selbst mit der Thematik zu beschäftigen und dadurch zu lernen. Am effektivsten ist dies natürlich, wenn man selbst für die Thematik „brennt/lodert“, weshalb ich mich bei meinen Lehraktivitäten auf Herzensthemen beschränke und nicht beispielsweise Themen aus der Haushaltsarbeit oder Steuerrecht erörtere.

 

Im Sinne eines „Recycling“ will ich im Folgenden Lehrtätigkeiten von mir nochmal aufgreifen und Inhalte dadurch nochmal bereit stellen.

 

Meine nächsten Stationen sind u.a.:

Notarztkurs Langenargen 08.-15.10.2017 http://www.notarztkurs.de

MEDIZIN Stuttgart 26.-28.1.2018 https://www.messe-stuttgart.de/medizin/

Symposium Intensivmedizin Bremen 14.-16.2.2018 http://www.intensivmed.de

agswn Jahrestagung Baden-Baden 9./10.03.2017 https://www.agswn.de/jahrestagung

STEWI meets EMStage 27.-29.4.2018  http://www.thestewi.ch/index.php/stewi-meets-emstage

STEWI 14.-16.9.2018 http://www.thestewi.ch

 

Veranstaltungshinweis für Kurzentschlossene

Heute (24.6.2020) findet der virtuelle Kongress med_KONVENT statt und ich darf ab 14.00 eine Session gestalten, aber auch davor und danach gibt es interessante Talks.

 

Mein Thema lautet: "Wie wir menschlich in einer prozessorientierten Welt miteinander umgehen können"

 

Es geht viel um Leadership und wer hätte es bei mir gedacht auch um die "Human Factors" in der Arbeitswelt.

 

Ich bin froh und stolz damit das Gesundheitszentrum Todtnau bei dieser innovativen Veranstaltung repräsentieren zu dürfen gemäß dem Motto "Wir leben und arbeiten zwar auf dem Land, sind aber nicht hinter dem Mond".

 

Hier der Link der Veranstaltungsagenda:

https://med.bfd-konvent.de/agenda

Notfallmedizin – Mehrkämpfer der Medizin

Häufig werde ich gefragt, warum ich mir denn die Notfallmedizin antue. Man kann doch keinen Spass daran haben zu allen Tages- und Nachtzeiten, unter allen (un-) denkbaren Bedingungen, häufig für wenig oder gar keinen Lohn menschliches Leiden zu erleben. Puh, gar nicht so leicht hierauf eine einfache, ehrliche und verständliche Antwort zu geben...

 

Zunächst bin ich ein unverbesserlicher Bekenner zum Altruismus: Für mich stellt es weiterhin ein großes Privileg und sehr angenehmes Gefühl dar anderen Menschen zu helfen und ihnen in schwierigen Zeiten bei zu stehen. Die Medizin ist hierfür (neben anderen Bereichen) ein Paradebeispiel. Ich verspüre keine Freude an Unglücksfällen, Schicksalen und Leid, ich bin wahrlich nicht g... drauf! Daher bin ich auch für Prävention statt Reaktion. Aber dennoch passieren schreckliche Dinge und meine Tätigkeit ist dann aus dieser gegebenen schlimmen Situation das Beste für den Betroffenen zu machen. Ich habe mir schon häufiger anhören müssen dies sei ein beschönigender Blick durch eine rosa Brille. Ich widerspreche jedoch entschlossen: Für mich ist diese Einstellung real, praktikabel und erfüllend. Gerade durch mein christliches Menschenbild erfüllt mich diese Grundeinstellung und ich lasse mich nicht davon abbringen.

 

Ganz selbstlos bin ich dann jedoch auch nicht, oben habe ich ja auch schon von Erfüllung gesprochen. Ein anderer passender Begriff ist der Reiz und die Motivation für die Tätigkeit. Es ist völlig legitim und auch wichtig, dass man selbst einen Benefit aus seinem Tun erfährt.

 

Meiner Meinung nach kann man dies am besten durch Vergleiche mit anderen Lebensbereichen erklären:

 

Es ist zwar kräftezehrend, aber gleichzeitig mein Antrieb und der Reiz für mich: Sich schnell in ein akutmedizinisches Ereignis ein zu denken um es dann gemeinsam mit einem Team (ggf. unter widrigen Bedingungen) zu bewältigen. Und dies in allen Bereichen, welche die Akutmedizin zu bieten hat – von der Geburt bis hin zum geriatrischen Notfall, vom Trauma bis zur Stoffwechselentgleisung.

Eine sportliche Assoziation ist für mich daher der Zehnkampf, auch wenn es mehr als zehn Bereiche der Akutmedizin gibt. Manchmal ist Ausdauer (verbunden mit strategischem Denken) gefragt, dann wieder Schnelligkeit bzw. Kraft, oft verbunden mit manueller Geschicklichkeit. Man könnte es auch als maximale Vielseitigkeit bezeichnen. 

Nie wird man das Level eines Spitzenathleten einer Einzeldisziplin erreichen, sonst hätte dieser wohl auch was falsch gemacht. Mit großem Respekt und oft auch Bewunderung blicke ich auf die „Großmeister“ EINES Fachs. Dieses Wissen und die Fertigkeiten werde ich nie erreichen, was für mich aber keine Niederlage darstellt und ich lerne gerne von den Expertenratschlägen. 

Es ist sehr schwer gleichzeitig Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Geschicklichkeit zu trainieren und fordert einen ganzheitlichen Ansatz. 

Wie im Sport muss man auch in der Notfallmedizin an die Regeneration denken. Diese wird in beiden Bereichen jedoch oft unterschätzt und daher vernachlässigt. Im Sport spricht man dann von „Übertraining“ und „erhöhtes Verletzungsrisiko“, in der Notfallmedizin neben einem „Verletzungs-/Erkrankungsrisko“ auch von „Burn out“. Wenn Körper, Geist und Seele keine Zeit und Gelegenheit bekommen sich zu erholen ist man erschöpft und fühlt sich ausgelaugt. Es tritt genau das Gegenteil ein von dem, was man sich vorgenommen hat – die Leistung sinkt drastisch, die Motivation ebenso.

Einen Unterschied gibt es dann doch noch zwischen der Notfallmedizin und dem Sport, was ich jedoch als Privileg erachte: Die Zehnkämpfer sind trainierte Einzelkämpfer, die Notfallmedizin ist eine Teamsportart. Die Qualifikation, Training und Erfahrung bestimmen die Rolle im Team, aber nur gemeinsam erreicht man in einer konzertierten Aktion das Ziel. Trainiert werden kann und muss aber auch allein, nicht immer (leider zu wenig) gemeinsam. Jeder muss für sich entscheiden, welche Rolle er in welchem Team einnehmen will und ob er bereit ist die dafür notwendigen „Opfer“ an Qualifikationen und Trainingsaufwand auf sich zu nehmen. Ich sage manchmal etwas scherzhaft: „Are you ready for champions league?“ Ja, diesen Anspruch und somit Ansporn habe ich für mich persönlich gewählt und ich bin noch lange nicht am Ziel, aber ich verstehe Jeden, der für sich und seine Möglichkeiten eine andere Liga anpeilt. Denn der Preis, den ich privat wie beruflich dafür zahle ist hoch und ich bin sehr dankbar, dass mir meine Familie diese Möglichkeit einräumt und mich liebevoll sowie maximal unterstützt. Manchmal bin ich wie besessen und muss daher darauf aufpassen nicht zu übertreiben, sondern ich sollte mich mehr an den Grundfähigkeiten meines Teams orientieren – denn ansonsten geht es schief und die Gesamtperformance leidet. Ich will und kann kein „CR7“ (Christiano Ronaldo) sein, zumal mir dieses divenhafte Auftreten gar nicht liegt. Wenn ich es mir wünschen dürfte, wäre mir die Rolle eines kameradschaftlichen Mannschaftskapitäns mit Blick auf das Wohl der gesamten Gruppe am Liebsten. Hier sei auch noch mal an meinen geklauten Leitspruch erinnert: „Simply try to do your best, not to be the best.“

Abschließend zu diesem Vergleich möchte ich hier auch noch einmal betonen, dass ich überzeugt bin, dass Talent keine große Rolle für den Erfolg spielt, wenn es so etwas überhaupt gibt. Meines Erachtens ist es mehr die Motivation, Beständigkeit und Willenskraft (und manchmal auch Leidensfähigkeit), welche die Voraussetzungen für eine gute Leistungsfähigkeit sind. Topleister zeichnen sich nicht dadurch aus, dass ihnen etwas in die Wiege gelegt wurde, sondern sie arbeiten am eifrigsten, effektivsten und härtesten an sich. Eine weitere Tugend ist der selbstkritische aber konstruktive Umgang mit einer Niederlage. Zumeist sind nicht nur Andere daran schuld, sondern man hat auch dazu mehr oder weniger beigetragen. Es lassen sich aber sicherlich auch Handlungsoptionen für die Zukunft entwickeln, wie man künftig einen schlechten Verlauf abwenden kann.

 

Der zweite Vergleich, der mir in den Sinn kommt ist ein eher Fachlicher: Für mich ist die notfallmedizinische Tätigkeit vergleichbar mit einem Karteikasten voller Karten. Jeder Karte stellt hierbei eine Notfallentität dar und darauf steht mein (theoretisches) Fachwissen, nötige Massnahmen sowie die dadurch praktisch bedingten Fertigkeiten.

In der eigenen Hand liegt nun die Anzahl der Karten und was darauf steht (entsprechend der Qualifikation/Kompetenzen). Es ist wichtig, dass man nicht nur weiß was zu tun ist, sondern die angezeigten Massnahmen auch beherrscht (wobei diese mal leichter und mal schwerer fallen bzw. aus verschiedenen Gründen nicht möglich sind). Hierbei ist Demut und selbstkritisches sowie reflektiertes Denken notwendig. Sind die aktuellen Anforderungen zu hoch, so ist zu versuchen Hilfe herbei zu holen bzw. die richtigen Massnahmen in der Folge zu bahnen. Um effektiv mit den Karten arbeiten zu können braucht es eine Ordnung zwischen und eine Struktur auf den Karten, ebenso können auch mehrere Karten miteinander verknüpft sein. Dies ist höchst interindividuell unterschiedlich, weshalb es diesen Karteikasten auch nicht in Wirklichkeit im Handel gibt, ganz davon abgesehen, dass man die Karten permanent aktualisieren muss. Wir kennen es noch aus der Schule bzw. dem Studium, die Lernkarten nützen jeweils nur dem Verfasser, weil er den Inhalt individuell und personalisiert gestaltet hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wie häufig man die Karten benutzt: Sprich wie viele Einsätze man abarbeitet. Dies ist auch höchst unterschiedlich vom Dienstort, der Einsatzbelastung und dem Einsatzspektrum. So braucht der Eine die Karte „Tauchunfall“ nie, der Andere die Karte „Kletterunfall“ ‚once in a lifetime‘. Andere Karten werden hingegen oft benutzt und man wird dann sogar vielleicht leichtsinnig und leichtfertig im Umgang damit. Ein Zeichen von Professionalität ist auch der Umgang mit einer Situation, für die man keine Karte parat hat. Um sie zu bewältigen muss man eine Essenz aus ähnlichen Karten analytisch möglichst schnell zusammenführen, was aber sehr anstrengend und zeitaufwendig ist, weshalb es eine seltene Ausnahmesituation bleiben sollte.

Was hervorragend funktioniert ist die eigenen fiktiven Karten im Rahmen einer mentalen Simulation (quasi als gedankliche Trockenübung) durch zu gehen. Auch hier hilft die eigene Gestaltung der Karte, denn nur man selbst kann und braucht mit den Inhalten umgehen können. Wichtig ist, dass es zuverlässig und schnell funktioniert. Die praktischen Grundfertigkeiten kann man sich so allerdings nicht beibringen, hierfür braucht es praktische Übungen welcher Art auch immer, aber man kann sich auch Skills mental wieder effektiv in Erinnerung rufen. Meiner Meinung nach wird die Bedeutung des Mentaltrainings auch in der Akutmedizin (und nicht nur wie bisher im Sport) sehr an Bedeutung gewinnen und man kann sich eines erheblichen persönlichen Benefits gewiß sein. 

 

Dieser Vergleich ist jedoch sehr fachlich orientiert, da er die sogenannten „Human Factors“ sowie „Nontechnical-Skills“ ausblendet, die mir doch auch so sehr am Herzen liegen. Es braucht jedoch einen gut sowie solide gefüllten Karteikasten, damit man sich überhaupt auf die menschlichen Aspekte seiner Tätigkeit einlassen kann, daher besteht für mich schon ein eindeutiger Bezug. Früher war ich sehr auf die Ausstattung meines Karteikastens fixiert, da er noch spärlich gefüllt und der Umgang damit keine Routine darstellte. Nun komme ich langsam auf das Niveau, auf dem ich mich nicht mehr ängstlich an die Karten krallen brauche sondern auch den Blick über den Tellerrand hin zu den menschlichen Aspekten wagen kann.

 

Als praktisches Beispiel hier mal „rein zufällig“ ein paar Einsatzsituationen, wie man sie in einem einzigen Dienst erleben kann:

 

1.)  Kinderreanimation nach Ertrinkungsunfall: Also Verknüpfung dieser beiden Karten. Seltenes, schwerwiegendes sowie potentiell belastendes Ereignis, so dass eine „innere Richtschnur“ essentiell ist. Wie war es noch einmal mit der Hypothermie? Was erwartet mich nach einem Süßwasser-Ertrinkungsunfall pulmonal im Verlauf? Welche Dosierungen und Größen braucht ein Kind mit x Jahren?

2.)  Schenkelhalsfraktur: Routine, schon oft abgearbeitet, aber wie wird man ganz individuell diesem Patienten mit seiner Vorgeschichte und Bedürfnissen gerecht?

3.)  Verbrennungsunfall: Die Aufregung vor Ort machen es nicht leicht sich die Fakts in Erinnerung zu rufen – Indikation Verbrennungszentrum, Ausdehnung und Tiefe, Infusionsmenge, Kühlung ja/nein, Zeichen und Umgang mit einem Inhalationstraumas, Indikation zur Intubation....

4.)  Verlegung NSTEMI: Oder doch nur eine Laborente? Differentialdiagnostische Gründe für eine Troponinerhöhung? Was ist der Patientenwille? Bahnung des weiteren Procederes...

5.)  Unklare Bewußtlosigkeit eines Erwachsenen: Plötzlich bewußtlos zusammengebrochen und gestürzt. SHT vs. SAB? Andere DD? Indikation zur Intubation? Wie gehen wir nochmal mit einer hypertensiven Entgleisung beim neurologischen Notfall um?

6.)  Allergische Reaktion nach Bienenstich im Pharynx: Stadien bzw. Schweregrade der allergischen Reaktion? Medikamentöse Möglichkeiten? Indikation zur Intubation? Wie würde man eine Koniotomie machen?

7.)  Unklare Bewußtlosigkeit beim Kind: Kopfschmerzen, Blickdeviation, fokale Krampfanfälle, Vigilanzminderung... Ursache? Indikation zur Intubation? Welche Dosierungen und Größen braucht ein Kind mit x Jahren? Mögliche Zielkliniken?

8.)  Verlegung infrarenales Bauchaortenaneurysma nicht disseziert: Bedrohlichkeit? Therapieoptionen mittelfristig? Blutdruck senken ja/nein? Richtige Zielklinik?...

 

Bin mir aber sicher, im nächsten Dienst werden wieder andere Karten gebraucht, genau dies ist für mich der Reiz und die Herausforderung an der Notfallmedizin!

 

Und ihr fragt mich noch, warum meine Tätigkeit meine Passion ist?

Erstes Webinar gehalten - Fortbildung zu Pandemie-Zeiten

Ich halte ja gerne Fortbildungs- und Lehrveranstaltungen jeder Art, doch leider sind ja aktuell aus Infektionsschutzgründen fast alle entsprechenden Veranstaltungen abgesagt.

Nun sind neue Lehrmethoden gefragt und insbesondere die Online-Angebote bzw. Webinare sind aktuell gefragt. Klar, einen Workshop kann man so nicht abhalten, aber den gängigen Vortrag kann es schon ersetzen, da es bei den Webinaren ja auch möglich ist per Chat oder Mikrofon Fragen zu stellen und somit Einfluss auf den Vortrag zu nehmen.

Ich bin ja wahrlich nicht technisch begabt und daher habe ich mich damit auch recht gemüht, aber nun habe ich gestern mein erstes Webinar zum Thema "Chamäleon Covid19" beim schweizer Rettungsdienst Spital Region Oberaargau (SRO) gehalten. Herzlichen Dank an dieser Stelle noch mal für die Einladung von Elmar Rollwage! Es kommt für mich zwar nicht an einen echten Präsenzvortrag mit direkter Teilnehmerinteraktion heran, aber ich darf sagen, dass es mir dennoch Spass gemacht hat.

Ich denke wir werden uns aktuell daran gewöhnen müssen online zu unterrichten und glücklicherweise gibt es passende Software-Lösungen, vor denen ich mich bisher "in meinem Alter" verwehrt habe, nun aber wie viele Andere glücklich bin diese Option zu haben.

Herzlichen Dank auch Martin Honeck (Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag :-)) für die Bereitstellung der notwendigen Technik!

 

On the road again

Momentan geht es ziemlich ab, in den letzten zwei Wochen war ich recht viel unterwegs, weshalb ihr auch nichts mehr von mir gelesen habt.

 

Zunächst habe ich drei Tage den Stuttgarter Intensivkongress SIK besucht. Neben den Vorträgen und Workshops steht dabei natürlich auch das Networking im Fokus. Es kam zu vielen tollen Begegnungen mit „alten“ Freunden und neue Bekanntschaften. Immer wieder ist es für mich eine schöne Erfahrung wie alle das gleiche Ziel haben: Die Verbesserung der Patientenversorgung in der Akutmedizin. Egal welche Profession, alle ziehen am gleichen Strick und v.a. in die selbe Richtung ;-) . Zunächst durfte ich dort einen Workshop für NFS-Azubis zum Thema Airwaymanagement mit gestalten. Alle waren extrem interessiert, auch wenn die chirurgische Atemwegssicherung und die Entlastung eines Spannungspneumothorax natürlich keine alltäglichen Massnahmen in der deutschen Notfallmedizin sind. Es ging auch nicht um die Beherrschung der Massnahmen, dazu war die Zeit zu kurz, aber es konnten zumindest die Prinzipien sowie Indikation und Risiken vermittelt werden. Tags darauf hielt ich in einem für mich Landei sehr großen Vortragssaal zwei Vorträge zu Traumamanagement auf dem Lande und zum offenen Thema „Hey, was geht denn hier ab?“. Die pdf mit ausgewählten Slides habe ich angehängt.

 

Am gleichen Wochenende fand auch noch die MEDIZIN, der Jahreskongress des Ärztekammer, in Stuttgart statt. In zwei Sitzungen wirkte ich mich: Zunächst durfte ich meinen Freund und geschätzten Kollegen Dr. Wolfgang v. Meissner bei seiner Sitzung zum „Hausarzt 2.0“ durch meinen Erlebnisbericht zum Quereinstieg in die Allgemeinmedizin unterstützen. Anschließend hielten mein Chef Dr. Martin Honeck und ich noch eine Sitzung zum Thema Notfallmanagement in der Praxis ab. Wir versuchten heraus zu arbeiten, dass die Güte dieses Managements weniger vom vorgehaltenen Material abhängt. Viel mehr kommt es auf die Vorbereitung des Praxisteams ab, was man aber halt auf einem Ärztekongress nicht praktisch üben kann, dies muss vor Ort mit dem gesamten Praxisteam mit dem gewohnten Material erfolgen. Auch hier habe ich ein paar Slides angehängt.

 

Nach einer Woche mit Praxis, Notarztdienst, MPG-Einweisung beim DRK Lörrach sowie Notarztprüfung an der Bezirksärztekammer Südbaden bin ich nun für einen ERC ALS Kurs im schwäbischen Ehingen. Auch hier begeistert mich die hohe Motivation der Teilnehmer, welche es der klasse Faculty sehr einfach macht.

 

Ab Montag folgen dann wieder Praxis und weitere spannende Termine, von denen ich aber dann zu gegebener Zeit berichten werde.

Download
SIKTrauma.pdf
Adobe Acrobat Dokument 65.2 MB
Download
Hey Leute.pdf
Adobe Acrobat Dokument 35.0 MB
Download
Quereinstieg.pdf
Adobe Acrobat Dokument 15.6 MB
Download
NotfalltrainingAP.pdf
Adobe Acrobat Dokument 23.8 MB

Erste Schritte tun – das Laufen neu lernen

Je oller, umso doller, und daher hat mir meine Familie einen langjährigen Wunsch erfüllt und ich probiere gerade im Urlaub Langlauf aus, genauer gesagt die Skating-Technik.

Auch wenn ich sicher kein Naturtalent bin habe ich große Freude an dieser für mich neuen Bewegungsart. Als Kind war ich klassisch auf Langlauf-Ski unterwegs, ist aber ehrlich gesagt auch schon 30 Jahre her, so dass ich nicht wirklich behaupten kann auf diese alten Erfahrungen zurück greifen zu können.

Ich sehe die neuen Erkenntnisse für mich nicht nur mit sportlichen Augen, sondern auch in Bezug auf Erwachsenenpädagogik und Sportwissenschaft. Ich kann es wohl mit der Metaebene nicht lassen...

Es ist für mich interessant zu beachten wie Kinder sich schlagen, bekommen sie das erste Mal Langlaufski angeschnallt. Sie probieren, sie schauen ab....ahmen nach... und werden rasch besser.

Ich alter Knabe mit Fachbuchfetischismus bin es anders angegangen: Zunächst habe ich zwei reich bebilderte Bücher zur Skatingtechnik gelesen und habe die Bewegungen mehrfach mental simuliert. Dann habe ich bei den Sportübertragungen im Fernsehen mal genau hingesehen. Nicht weil ich glaube ich könnte jemals so flink über die Loipe fliegen, sondern um mir die Grundbewegungen immer und immer wieder an zu sehen.

Aber warum nimmt der Geizkragen denn sich keinen Lehrer oder besucht einen Kurs? Das werde ich sicher auch noch machen und freue mich drauf, aber ich war neugierig und wollte mir beweisen, wie weit ich auch autodidaktisch komme. Dies ist zwar anstrengender und zeitraubender als sich in einem Kurs berieseln zu lassen, aber autodidaktisch ist in meinen Augen oft nachhaltiger und man kann dann mit professioneller Unterstützung größere Schritte machen, wenn man die Grundbewegungen bereits beherrscht.

Also hab ich mir nun die schmalen Latten angeschnallt und bin auf die Loipe marschiert... und... bin auf den Hintern geknallt. Immerhin war es bis dahin auf abschüssigem Gelände nicht anstrengend, aber zielführend war es eben auch nicht mit einer Abfahrt zu beginnen. Auch beim anschließenden wechselnden Gelände tat ich mir schwer meine guten Vorsätze in die Tat um zu setzen. Spass hat es mir schon gemacht, und es kam zu keinem Einsatz der Bergrettung bzw. es blieben alle Knochen ganz, aber der Durchbruch war es noch nicht.

Der kam heute viel mehr in der zweiten Session, als ich mich bewußt „gezwungen“ habe anderthalb Stunden auf einem präparierten und ebenen Trainingsgelände stur im Kreis zu fahren. Dabei habe ich so viele Übungen und Bewegungsarten durchgespielt, wie ich sie mir aus den Fachbüchern merken konnte. Und siehe da, es kommt eben nicht nur auf Motivation, sondern auch auf Konzentration und Disziplin an. Nun freue ich mich schon zuversichtlich auf neue Versuche nicht nur auf dem Übungsplatz, sondern auch auf der Loipe. Es war mal wieder sehr erstaunlich mir ein zu gestehen, wie kurz man sich nur konzentrieren kann, ehe man wieder technisch unsauber wird und Fehler macht.

Aber warum schreibe ich es hier auf diesen Notfallmedizin-Blog?

Weil ich glaube, dass es nicht nur mir so geht bzw. die Verhältnisse nur beim Langlauf so sind. Ich denke es ist problemlos auf andere Bereiche der Erwachsenenbildung übertragbar: Immerhin können Erwachsene sich viele Fakten auch anlesen und Abläufe mental simulieren. Soweit die Vorteile, aber sie brauchen aber für neue Lerninhalte deutlich länger als Kinder. Erwachsene verlieren oft die Beobachtungsgabe und die Fertigkeit durch Nachahmung besser zu werden. Zudem genießen beide Dinge bei Erwachsenen auch keinen guten Ruf – wer will schon beim abschauen enttarnt werden. Ebenso können wir Erwachsene nicht mehr über längere Zeit unsere Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. In der Pädagogik ist oft von 20min die Rede (was ja immerhin weniger als eine normale Schulstunde ist), aber ich denke es ist sogar noch deutlich weniger wenn es ein hohes Maß an Konzentration bedarf.

Und wie ist es in unserem reellen beruflichen Kontext? Sich bei Kongressen berieseln zu lassen ist ja schon inspirierend, aber man kann kaum nachhaltig Inhalte merken geschweige denn praktische Fertigkeiten verbessern. Aber dafür gibt es ja dann Workshops, wo man in 90min durch viel zu viele Fertigkeiten und Abläufe tobt und eigentlich viel zu wenig zum Üben kommt. Es ist also auch nicht der Weisheit letzter Schluss, genauso wie reine Buchlektüre oder E-Learning. Es ist eine auf Erwachsene abgestimmte Methodenvielfalt und Vermittlungsweise gefragt. Ich möchte  versuchen möglichst viel von diesen Selbsterkenntnissen in meine praktische Lehrtätigkeit übertragen, aber auch hier wird gelten – „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“.