Kongresse/Fortbildungen

Ich „teache“ ja leidenschaftlich gerne, aber ich konsumiere auch gern neues Wissen und Eindrücke, die ich exemplarisch und auszugsweise hier vorstellen möchte.

Läuft: MEDI-LEARN LNA/OrgL-Kurs online

Eigentlich wäre ich jetzt in Düsseldorf und würde dort im DRK Bildungszentrum in Kooperation mit MEDI-LEARN den LNA/OrgL-Kurs besuchen. Aber dieses Jahr ist halt aufgrund der Pandemie alles anders als geplant. 

Aber hier möchte ich schonmal einen herzlichen Dank den Kursveranstaltern und Dozenten aussprechen: Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen wurde dieser Kurs nicht abgesagt und der Kopf damit in den Sand gesteckt. Gerade jetzt ist doch eine Aus-/Weiter- und Fortbildung wichtig! Wir wollen doch Kompetenzen und Qualifikationen ausbauen, denn es wird dringend gebraucht! 

Mit einem unglaublichen Aufwand haben die Verantwortlichen von MEDI-LEARN einen Online-Kurs auf die Beine gestellt, ohne dass der Praxisanteil darunter leidet. Gerade weil ich technisch eigentlich nicht so bewandert bin, begeistern mich die einfach anwendbaren technischen Optionen (App's, Plattformen), welche neben der Vorträgen auch die klassischen Gruppenarbeiten möglich machen, so dass ich den persönlichen Kontakt nur mittelgradig vermisse (mit Ausnahme der Pausenkommunikation - bei der man ja auch immer ordentlich viel mitnehmen kann).

So befinde ich mich aktuell quasi in "Fortbildungs-Quarantäne" und lebe diese acht Kurstage wohl "sicherer/gesünder" als im normalen Job/Leben. Dies hat den Vorteil, dass ich danach recht sicher wieder im Job/Familie gesund und voll zur Verfügung stehe, was aktuell bei einer Präsenzveranstaltung nicht gegeben ist. Spätestens wenn jemand im Präsenzkurs positiv getestet wird ist das Kind im Brunnen und schon wegen der Quarantäne ist man erst einmal weg vom Fenster.

Auch was die Dozenten angeht finde ich den Online-Kurs nicht schlecht: Man kann wirklich auf Experten zurück greifen ohne sie zeitlich Übermaßen in Anspruch zu nehmen, weil sie eine lange Anreise haben und dadurch eine gewisse Infektionsgefahr eingehen. Die Dozenten sind ja klassischerweise selber in Führungsfunktionen und können so aus sicherer Umgebung heraus unterrichten und stehen danach unmittelbar wieder ihrem beruflichen/privaten Umfeld zur Verfügung. Wenn ich mir da überlege wie viele Stunden ich schon im Auto/Zug/Flieger gesessen bin um dann schlußendlich einen 30min Vortrag  zu halten... Klar gibt es einen Abzug für den mangelnden persönlichen Kontakt/Austausch, aber es ist für mich hinnehmbar, zumal wenn es auch noch eine Kontaktmöglichkeit zwischen Dozent und Teilnehmer (Chat o.ä.) gibt.

Beim aktuellen Kurs leidet aber auf jeden Fall auch nicht die Menschlichkeit und somit Authentizität der Dozenten/Betreuer. Mit höchster Professionalität aber kollegialem Austausch auf Augenhöhe wird unterrichtet, was ich als sehr angenehm empfinde - herzlichen Dank!

Klar kann man nicht alle Veranstaltungen online abhalten, v.a. wenn es um manuelle Fertigkeiten geht - aber man sollte es nicht pauschal abtun, nur weil man selber nicht technisch bewandert ist. Wie auch in vielen anderen Bereichen ist aktuell auch hier Flexibilität und Lernbereitschaft von Allen gefragt.

Herzlichen Dank für die tolle und wertvolle Erfahrung!

Veranstaltungsnachlese: Intec des Emergency Schulungszentrums in Bern

Diese Woche hatte ich die große Ehre und Freude als Dozent an das EMERGENCY Schulungszentrum eingeladen zu werden. EMERGENCY ist eigentlich in Zofingen (Kanton Aargau, CH) ansässig. Der Kursus "Invasive Notfalltechniken" findet jedoch am und in Kooperation mit dem Anatomischen Institut der Uni Bern statt.

Einen ganzen Tag lang wird dort sehr praxisnah am anatomischen Präparat geübt. Kurze theoretische Inputs werden zwischen die vorgestellten Massnahmen eingestreut. Der Materialaufwand ist immens aber auch bewußt gewählt, damit alle Teilnehmer genug Verbrauchsmaterialien zur Verfügung haben und parallel geübt werden kann.

Der Kurs richtet sich an alle Interessierten aus der Notfall- und Akutmedizin, also Dipl. Rettungssanitäter HF, Anästhesiepflege, Ärzte etc., welche in die Verlegenheit kommen invasive Massnahmen zu ergreifen oder zumindest assistieren zu müssen. Hierbei sind die zugesprochenen Kompetenzen der nichtärztlichen Schweizer Kollegen umfangreicher als beim deutschen Pendant. Persönlich hat mich auch überrascht, welche diversen Techniken und Produkte bei den unterschiedlichen Rettungsdiensten in der Schweiz vorgehalten werden.

 

Begonnen wird zunächst gar nicht mit invasiven Massnahmen an sich: Am anatomischen Präparat werden alle Tools der supraglottischen Atemwegssicherung (LMA, LT, I-Gel) und der verschiedenen Verfahren der endotrachealen Intubation (Konventionelle Laryngoskopie, Videolaryngoskopie, "Bougie-Technik" bis hin zur "halb-invasiven" retrograden Intubation) geübt. Für mich sind diese Übungseinheiten aber sehr wichtig und ein ganz wichtiger Bestandteil der Veranstaltung - man kann halt nicht besser und praxisnäher üben als am anatomischen Modell, so dass es eine Sünde wäre diese Chance aus zu lassen. Besteht eine entsprechend ausgiebige Expertise bei den Teilnehmern kann man ja flott drüber hinweg gehen. Weiter geht es dann mit dem Ventrain-System und der Jet-Beatmung, um überbrückend bis zur Atemwegssicherung die Oxygenierung sicher zu stellen. Anschließend werden verschiedenste Verfahren der Koniotomie vorgestellt und praktisch geübt.

Nach der Mittagspause widmeten wir uns ausführlich den unterschiedlichen Strategien der Thoraxentlastung bei Spannungspneumothorax und dem Einlegen einer Bülaudrainage im Sinne einer lateralen Minithorakotomie. Den Abschluss bildeten Übungen zum intraossären Zugang an den verschiedensten Punktionsstellen.

 

Ich hatte ja einen gewissen Vergleich, denn ich war ja bereits begeisterter Teilnehmer eines Intech-Kurses bei den Kollegen der Uniklinik Heidelberg. Meiner Meinung nach haben beide Veranstaltungen ihre individuellen Stärken und Zielsetzungen, einen endgültigen Vergleich braucht man aber gar nicht an zu stellen bzw. wäre nicht zielführend, da man Äpfel mit Birnen vergleichen würde. Ganz klar sind es aber keinesfalls Konkurrenzveranstaltungen, sondern eher "Brüder im Geiste". Grundsätzlich mangelt es meiner Einschätzung nach an Veranstaltungsangeboten dieser Art, so dass es prinzipiell mehr Bedarf als Kursplätze gibt. Beim Intec des EMERGENCY Schulungszentrums melden sich traditionell mehrheitlich Dipl. Rettungssanitäter an und die Ärzte sind in der Minderheit - wünschenswert wäre hier ein größeres ärztliches Interesse, denn auch in deren Ausbildung kommen die invasiven Massnahmen ja deutlich zu kurz.

 

Bewußt wird bei EMERGENCY auf die erweiterten invasiven Massnahmen wie Clamshell-Thorakotomie, REBOA, Nähte etc verzichtet, in Heidelberg bei Intech werden sie im "Advanced-Kursformat" vermittelt. Würde man diese komplexen Massnahmen auch in Bern abhandeln wollen, würde es den Rahmen der eintägigen Veranstaltung deutlich sprengen. Abgesehen von der Clamshell-Thorakotomie braucht man hierfür zudem ein erweitertes Equipment. Wird dies im eigenen Arbeitsumfeld nicht vorgehalten, macht auch ein entsprechendes Training keinen Sinn. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass ich damals in Heidelberg auch von der Vermittlung dieser Prozeduren sehr profitiert habe, da ich mir hauptsächlich eine fundierte Meinung bilden wollte und mir nicht eingebildet habe danach diese Massnahmen zu beherrschen.

 

Als Dozent war der Tag in Bern für mich eine sehr große Bereicherung fachlich wie menschlich und ich durfte erneut im kollegialen Dialog viel dazu lernen. Zudem konnte ich auch ordentlich und ausgiebig "Hand anlegen", was mein Handling weiter verbessert hat. Schließlich komme ich ja, glücklicherweise, auch nicht routinehaft dazu.

 

Kurzum: Die Notwendigkeit invasiver Massnahmen ist glücklicherweise ein seltenes Ereignis, ich bin aber leider auch davon überzeugt, dass sie wenn auch indiziert aus Angst häufig nicht durchgeführt werden. Man denke hier nur an die Ergebnisse der Berliner Studie über vermeidbare Todesfälle in der präklinischen Notfallmedizin. Hier sollten wir vigilanter werden und mehr fortbilden/schulen/üben. Daher kann ich die Veranstaltung absolut empfehlen!

 

Herzlichen Dank für die Gelegenheit als Dozent mitwirken zu können und mich würde eine Wiederholung sehr freuen.

 

Hier der Link zur Veranstaltung

On the road again

Momentan geht es ziemlich ab, in den letzten zwei Wochen war ich recht viel unterwegs, weshalb ihr auch nichts mehr von mir gelesen habt.

 

Zunächst habe ich drei Tage den Stuttgarter Intensivkongress SIK besucht. Neben den Vorträgen und Workshops steht dabei natürlich auch das Networking im Fokus. Es kam zu vielen tollen Begegnungen mit „alten“ Freunden und neue Bekanntschaften. Immer wieder ist es für mich eine schöne Erfahrung wie alle das gleiche Ziel haben: Die Verbesserung der Patientenversorgung in der Akutmedizin. Egal welche Profession, alle ziehen am gleichen Strick und v.a. in die selbe Richtung ;-) . Zunächst durfte ich dort einen Workshop für NFS-Azubis zum Thema Airwaymanagement mit gestalten. Alle waren extrem interessiert, auch wenn die chirurgische Atemwegssicherung und die Entlastung eines Spannungspneumothorax natürlich keine alltäglichen Massnahmen in der deutschen Notfallmedizin sind. Es ging auch nicht um die Beherrschung der Massnahmen, dazu war die Zeit zu kurz, aber es konnten zumindest die Prinzipien sowie Indikation und Risiken vermittelt werden. Tags darauf hielt ich in einem für mich Landei sehr großen Vortragssaal zwei Vorträge zu Traumamanagement auf dem Lande und zum offenen Thema „Hey, was geht denn hier ab?“. Die pdf mit ausgewählten Slides habe ich angehängt.

 

Am gleichen Wochenende fand auch noch die MEDIZIN, der Jahreskongress des Ärztekammer, in Stuttgart statt. In zwei Sitzungen wirkte ich mich: Zunächst durfte ich meinen Freund und geschätzten Kollegen Dr. Wolfgang v. Meissner bei seiner Sitzung zum „Hausarzt 2.0“ durch meinen Erlebnisbericht zum Quereinstieg in die Allgemeinmedizin unterstützen. Anschließend hielten mein Chef Dr. Martin Honeck und ich noch eine Sitzung zum Thema Notfallmanagement in der Praxis ab. Wir versuchten heraus zu arbeiten, dass die Güte dieses Managements weniger vom vorgehaltenen Material abhängt. Viel mehr kommt es auf die Vorbereitung des Praxisteams ab, was man aber halt auf einem Ärztekongress nicht praktisch üben kann, dies muss vor Ort mit dem gesamten Praxisteam mit dem gewohnten Material erfolgen. Auch hier habe ich ein paar Slides angehängt.

 

Nach einer Woche mit Praxis, Notarztdienst, MPG-Einweisung beim DRK Lörrach sowie Notarztprüfung an der Bezirksärztekammer Südbaden bin ich nun für einen ERC ALS Kurs im schwäbischen Ehingen. Auch hier begeistert mich die hohe Motivation der Teilnehmer, welche es der klasse Faculty sehr einfach macht.

 

Ab Montag folgen dann wieder Praxis und weitere spannende Termine, von denen ich aber dann zu gegebener Zeit berichten werde.

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Hey Leute.pdf
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Auf zu neuen Ufern: Palliativmedizin

Nein nein, ich gebe jetzt nicht meine Tätigkeit im Gesundheitszentrum Todtnau schon wieder auf, im Gegenteil! Letztes Jahr hatte ich vom Leiter des Lörracher Palliativnetzwerkes Dr. Mario Steffens einen sehr interessanten Vortrag zur Palliativmedizin gehört. Es wurde durch die Kollegen bereits Vieles engagiert erreicht, aber das System lässt sich auch noch optimieren, v.a. braucht es noch mehr ausgebildetes Personal in diesem Bereich. 

Ich halte die Palliativmedizin für eine urärztliche Tätigkeit, welche eine hohe auch gesellschaftliche Bedeutung hat. Ich habe mir daraus eine persönliche Verantwortung abgeleitet mich auch in diesem Bereich ein zu bringen. Wenn ich ehrlich bin war mir die Betreuung Sterbender schon immer ein besonderes Anliegen als letzter Dienst an meinen mir anvertrauten Patienten. 

Dank der Unterstützung meiner Chefs habe ich nun die Gelegenheit die Ausbildung zum Palliativmediziner (ZB) zu machen und bin gestern in den Basiskurs gestartet.

Klar bin ich des Lesens mächtig und hatte mich auch auf den Kurs vorbereitet, ich bin aber dennoch ob des breiten Spektrums der Palliativmedizin überrascht und zugleich freudig angetan. Der Palliativmediziner versucht keine Lebenszeit heraus zu schlagen, aber er füllt die verbleibende Zeit mit Lebensqualität - ist dies keine herrliche Tätigkeit?

Für mich ist die Begeisterung für die Notfall- und Palliativmedizin kein Widerspruch. Als Notfallmediziner versuche ich bei kurativem Ansatz dem Tod mit aller Kraft ein Schnippchen zu schlagen und bin dazu auch mitunter auch recht invasiv. Aber es gehört zu meiner ärztlichen Verantwortlichkeit zu erkennen, wenn es keine Heilung bzw. Rettung mehr gibt. Dann gilt es nicht ohne Indikation und Verstand Massnahmen zu ergreifen. Vielmehr ist es mir eine Pflicht in den "palliativmedizinischen Modus" im Sinne des Patienten und mit Hilfe auch für die Angehörigen zu wechseln.

Wann bedarf es welcher Massnahmen mit welcher Zielsetzung? Um dies für mich auch noch besser heraus zu finden, werde ich dieses Frühjahr auch noch die Weiterbildung zum Ethikberater in der Medizin beginnen. Ich denke mir erschließen sich durch diese beiden Qualifikationen ganz neue Horizonte und Sichtweisen. Ich freue mich schon sehr auf diese Bereicherung und werde Euch auch diesbezüglich auf dem Laufenden halten. Und keine Sorge, ich bleibe der Akut- und Notfallmedizin schon treu, dazu ist meine Passion viel zu groß. Aber eine ganzheitliche Sichtweise hat ja noch Niemandem geschadet.

Save the Date - Jahrestagung agswn 13./14.3.2020

Da man ja schon immer frühzeitig seine Termine für Dienstpläne etc. bekannt geben muss, möchte ich doch schon einmal auf die  agswn-Jahrestagung in Baden-Baden am 13./14.3.2020 hinweisen. Der angehängte Flyer gibt weitere Auskunft zur Veranstaltung. Besonders freut mich natürlich, dass ich 2020 wieder die Gelegenheit bekomme eine Session aktiv mit gestalten zu dürfen.

Ich würde mich freuen, wenn 2020 wieder möglichst viele Notärzte und Kollegen aus dem Rettungsdienst den Weg ins Kongresshaus Baden-Baden finden. In meinen Augen ist es DIE Möglichkeit schlechthin die Stimme zu erheben und konstruktiv an der Zukunft des Rettungswesens im Südwesten mit zu wirken. Daher habe ich mich entschlossen dort möglichst viel aktiv und präsent zu sein.

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flyer agswn JT 2020 A5_0.pdf
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