Kongresse/Fortbildungen

Ich „teache“ ja leidenschaftlich gerne, aber ich konsumiere auch gern neues Wissen und Eindrücke, die ich exemplarisch und auszugsweise hier vorstellen möchte.

On the road again

Momentan geht es ziemlich ab, in den letzten zwei Wochen war ich recht viel unterwegs, weshalb ihr auch nichts mehr von mir gelesen habt.

 

Zunächst habe ich drei Tage den Stuttgarter Intensivkongress SIK besucht. Neben den Vorträgen und Workshops steht dabei natürlich auch das Networking im Fokus. Es kam zu vielen tollen Begegnungen mit „alten“ Freunden und neue Bekanntschaften. Immer wieder ist es für mich eine schöne Erfahrung wie alle das gleiche Ziel haben: Die Verbesserung der Patientenversorgung in der Akutmedizin. Egal welche Profession, alle ziehen am gleichen Strick und v.a. in die selbe Richtung ;-) . Zunächst durfte ich dort einen Workshop für NFS-Azubis zum Thema Airwaymanagement mit gestalten. Alle waren extrem interessiert, auch wenn die chirurgische Atemwegssicherung und die Entlastung eines Spannungspneumothorax natürlich keine alltäglichen Massnahmen in der deutschen Notfallmedizin sind. Es ging auch nicht um die Beherrschung der Massnahmen, dazu war die Zeit zu kurz, aber es konnten zumindest die Prinzipien sowie Indikation und Risiken vermittelt werden. Tags darauf hielt ich in einem für mich Landei sehr großen Vortragssaal zwei Vorträge zu Traumamanagement auf dem Lande und zum offenen Thema „Hey, was geht denn hier ab?“. Die pdf mit ausgewählten Slides habe ich angehängt.

 

Am gleichen Wochenende fand auch noch die MEDIZIN, der Jahreskongress des Ärztekammer, in Stuttgart statt. In zwei Sitzungen wirkte ich mich: Zunächst durfte ich meinen Freund und geschätzten Kollegen Dr. Wolfgang v. Meissner bei seiner Sitzung zum „Hausarzt 2.0“ durch meinen Erlebnisbericht zum Quereinstieg in die Allgemeinmedizin unterstützen. Anschließend hielten mein Chef Dr. Martin Honeck und ich noch eine Sitzung zum Thema Notfallmanagement in der Praxis ab. Wir versuchten heraus zu arbeiten, dass die Güte dieses Managements weniger vom vorgehaltenen Material abhängt. Viel mehr kommt es auf die Vorbereitung des Praxisteams ab, was man aber halt auf einem Ärztekongress nicht praktisch üben kann, dies muss vor Ort mit dem gesamten Praxisteam mit dem gewohnten Material erfolgen. Auch hier habe ich ein paar Slides angehängt.

 

Nach einer Woche mit Praxis, Notarztdienst, MPG-Einweisung beim DRK Lörrach sowie Notarztprüfung an der Bezirksärztekammer Südbaden bin ich nun für einen ERC ALS Kurs im schwäbischen Ehingen. Auch hier begeistert mich die hohe Motivation der Teilnehmer, welche es der klasse Faculty sehr einfach macht.

 

Ab Montag folgen dann wieder Praxis und weitere spannende Termine, von denen ich aber dann zu gegebener Zeit berichten werde.

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Auf zu neuen Ufern: Palliativmedizin

Nein nein, ich gebe jetzt nicht meine Tätigkeit im Gesundheitszentrum Todtnau schon wieder auf, im Gegenteil! Letztes Jahr hatte ich vom Leiter des Lörracher Palliativnetzwerkes Dr. Mario Steffens einen sehr interessanten Vortrag zur Palliativmedizin gehört. Es wurde durch die Kollegen bereits Vieles engagiert erreicht, aber das System lässt sich auch noch optimieren, v.a. braucht es noch mehr ausgebildetes Personal in diesem Bereich. 

Ich halte die Palliativmedizin für eine urärztliche Tätigkeit, welche eine hohe auch gesellschaftliche Bedeutung hat. Ich habe mir daraus eine persönliche Verantwortung abgeleitet mich auch in diesem Bereich ein zu bringen. Wenn ich ehrlich bin war mir die Betreuung Sterbender schon immer ein besonderes Anliegen als letzter Dienst an meinen mir anvertrauten Patienten. 

Dank der Unterstützung meiner Chefs habe ich nun die Gelegenheit die Ausbildung zum Palliativmediziner (ZB) zu machen und bin gestern in den Basiskurs gestartet.

Klar bin ich des Lesens mächtig und hatte mich auch auf den Kurs vorbereitet, ich bin aber dennoch ob des breiten Spektrums der Palliativmedizin überrascht und zugleich freudig angetan. Der Palliativmediziner versucht keine Lebenszeit heraus zu schlagen, aber er füllt die verbleibende Zeit mit Lebensqualität - ist dies keine herrliche Tätigkeit?

Für mich ist die Begeisterung für die Notfall- und Palliativmedizin kein Widerspruch. Als Notfallmediziner versuche ich bei kurativem Ansatz dem Tod mit aller Kraft ein Schnippchen zu schlagen und bin dazu auch mitunter auch recht invasiv. Aber es gehört zu meiner ärztlichen Verantwortlichkeit zu erkennen, wenn es keine Heilung bzw. Rettung mehr gibt. Dann gilt es nicht ohne Indikation und Verstand Massnahmen zu ergreifen. Vielmehr ist es mir eine Pflicht in den "palliativmedizinischen Modus" im Sinne des Patienten und mit Hilfe auch für die Angehörigen zu wechseln.

Wann bedarf es welcher Massnahmen mit welcher Zielsetzung? Um dies für mich auch noch besser heraus zu finden, werde ich dieses Frühjahr auch noch die Weiterbildung zum Ethikberater in der Medizin beginnen. Ich denke mir erschließen sich durch diese beiden Qualifikationen ganz neue Horizonte und Sichtweisen. Ich freue mich schon sehr auf diese Bereicherung und werde Euch auch diesbezüglich auf dem Laufenden halten. Und keine Sorge, ich bleibe der Akut- und Notfallmedizin schon treu, dazu ist meine Passion viel zu groß. Aber eine ganzheitliche Sichtweise hat ja noch Niemandem geschadet.

Save the Date - Jahrestagung agswn 13./14.3.2020

Da man ja schon immer frühzeitig seine Termine für Dienstpläne etc. bekannt geben muss, möchte ich doch schon einmal auf die  agswn-Jahrestagung in Baden-Baden am 13./14.3.2020 hinweisen. Der angehängte Flyer gibt weitere Auskunft zur Veranstaltung. Besonders freut mich natürlich, dass ich 2020 wieder die Gelegenheit bekomme eine Session aktiv mit gestalten zu dürfen.

Ich würde mich freuen, wenn 2020 wieder möglichst viele Notärzte und Kollegen aus dem Rettungsdienst den Weg ins Kongresshaus Baden-Baden finden. In meinen Augen ist es DIE Möglichkeit schlechthin die Stimme zu erheben und konstruktiv an der Zukunft des Rettungswesens im Südwesten mit zu wirken. Daher habe ich mich entschlossen dort möglichst viel aktiv und präsent zu sein.

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flyer agswn JT 2020 A5_0.pdf
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Nachlese Fortbildung Traumamanagement am Gesundheitszentrum Todtnau und die prompte Umsetzung der Inhalte

Am 9.11.2019 fand am Gesundheitszentrum Todtnau eine eintägige Fortbildung zum Thema Traumamanagement statt.

Ich war begeistert von den fast 30 interessierten Teilnehmern aus der ganzen Region, die ihren ansonsten freien Samstag für diese Veranstaltung geopfert haben. Lebhaft diskutierten wir über die formellen Vorgaben und die Herausforderungen bei der Umsetzung in die Praxis.

Natürlich kamen auch aktuelle Reizthemen zur Sprache wie Atemwegsmanagement, Management starker Blutungen, Volumengabe, Notfallsonographie, invasive Massnahmen sowie besondere Patientengruppen.

Über die Diskussion und ein leckeres Mittagessen kam dann das praktische Üben etwas kurz, aber es konnte ein ganzes Arsenal an Geräten (u.a. drei unterschiedliche Sonographie-Geräte) und Werkzeugen ausprobiert werden.

Ich wurde schon gefragt und ich biete es auch gerne an diese Fortbildung zielgruppenorientiert auch an anderen Orten und Terminen ab zu halten. Bei Bedarf kann man sich gerne bei mir melden.

Was für die Region Wiesental intensiv besprochen wurde waren die Zuweisungsstrategien in die entsprechenden Kliniken, das jeweilige Transportmittel und die Schockraumindikationen.

Speziell an unserem Standort haben wir die Schwierigkeit, dass wenn unser Notarzt den nächstgelegenen RTW begleiten muss in großen Teilen unseres gemeinsamen Einzugsgebiets keine rettungsdienstliche Versorgung innerhalb der Hilfsfrist mehr besteht. Daher muss die Indikation zur bodengebundenen Begleitung streng gestellt werden, auch ein Hubschrauber kann nicht immer und auch nicht für jeden Patienten aufgeboten werden.

Es gab schon die Schwierigkeit, dass die angefragte Klinik aus internen Gründen ein Schockraumteam zusammengerufen wurde und man sich dann beklagt hatte, dass der Notarzt den stabilen Patienten nicht begleitet hatte. Die Gleichung Schockraum=instabil=Notarzt ist in meinen Augen nicht ganz korrekt. Aufgrund der Kinetik etc. oder interner Interessen kann ein Schockraumalarm erfolgen, ist der Patient jedoch absolut ABCD stabil, besteht für mich keine zwingende Indikation den Transport zu begleiten, wenn ich dadurch die regionale Abdeckung gefährde.

Zwei Tage nach der Fortbildung kam es in unserem Einsatzgebiet zu einem Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Fahrzeugen und drei Insassen. Der eine Fahrer war unverletzt, die beiden anderen Fahrzeuginsassen waren „verklemmt“ (keine schwere Einklemmung, sie können aber nicht aussteigen) aber klinisch stabil. Die Beifahrerin kann schnell durch die Feuerwehr befreit und an die bereitstehenden First-Responder der Bergwacht übergeben werden. Sie hat ein fragliches HWS-Schleudertrauma. Aufgrund der Bauart des Fahrzeugs muss der Fahrer schlußendlich bei Schmerzangabe in HWS und BWS ohne Neurologie sowie durchgehender Stabiität doch durch die Feuerwehr aufwendig technisch gerettet werden. Währenddessen erhalten wir die Information, dass es ca 4km entfernt einen weiteren traumatologischen Notfall gibt. Die Leitstelle fragt an, ob und welche Einsatzkräfte (aktuell Bergwacht, NA und 1 RTW vor Ort) abkömmlich sind. Da der Patient absolut kardiorespiratorisch stabil und wach/orientiert ist, stelle ich mich für den weiteren Einsatz, welcher auch eine Notarztindikation haben soll, zur Verfügung. Der Notfallsanitäter des RTW übernimmt die medizinische Einsatzleitung vor Ort. Eine Bergwachtretterin begleitet mich zum zweiten Einsatz, einem Patienten mit Schulterluxation (DD Fraktur) sowie Commotio cerebri. Der RTW kommt aus ca  40km Entfernung, so dass wir leider längere Zeit auf ihn warten müssen. Der Patient erhält eine Analgesie und wird bestmöglich passiv gewärmt. Auch der Notfallsanitäter dieses RTWs erklärt sich bereit den vorversorgten Patienten allein weiter zu betreuen und ohne NA-Begleitung zu transportieren. So wird es möglich, dass ich wieder zurück an die ursprüngliche Einsatzstelle kann. Dort wurde der eingeklemmte Patient mittlerweile befreit und liegt weiterhin kardiorespiratorisch stabil und voll immobilisert (Halskrause, KED, Spineboard mit Spinne) im vorgewärmten RTW. Es erfolgt gerade die Schockraumanmeldung mit Wirbelsäulentrauma HWS/BWS ohne neurologische Auffälligkeiten nach Hochrasanztrauma und Einklemmung. Auch diesen Transport begleite ich nicht, da sonst weit und breit kein weiteres Rettungsmittel zur Verfügung steht und weiterhin kein Luftrettungsmittel in der Region verfügbar ist.

Beide RTW-Besatzungen wissen aber, dass sie niederschwellig einen NA anfordern können. Die Klinik übernimmt beide Patienten anstandslos.

Am Tag darauf werde ich zu einem Leitersturz aus ca 3m gerufen, der Patient hat eine Schürfung/Schwellung an der Stirn und ist desorientiert. Es bestand keine initiale Bewußtlosigkeit und keine Übelkeit/Erbrechen. Die Pupillen sind isokor und lichtreagibel. Er gibt jedoch Kopfschmerzen an. Entgegen seiner initialen Bekundung  gibt er im Verlauf Schmerzen im cerviko-thorakalen Übergangs an, peripher-neurologische Auffälligkeiten gibt es glücklicherweise nicht. Auch kardiorespiratorisch ist dieser Patient ebenfalls stabil. Das eigentlich zuständige Krankenhaus hat seine Notaufnahme aktuell aufgrund mangelnder Kapazitäten abgemeldet. So erfolgt die Anmeldung im etwas weiter entfernten Krankenhaus mit unfallchirurgischer Abteilung und CT mit V.a. Commotio cerebri und Ausschluss einer Wirbelsäulenverletzung nach Leitersturz aus 3m. Der Dienstarzt sagt mir die Übernahme zu. Die RTW-Besatzung traut sich den eigenverantwortlichen Patiententransport zu, so dass ich auch hier zur Gebietsabdeckung vor Ort bleiben kann, zumal aktuell aufgrund schlechten Wetters auch keine Luftrettung möglich ist.

Das RTW-Team wird im Schockraum erwartet und man zeigt sich erbost, dass kein NA den über 30km langen Transport begleitet hat. Mehrere Tage später gibt ein Oberarzt einem an diesem Tag nicht beteiligten Rettungsdienstmitarbeiter den Auftrag, er solle mir mitteilen, dass mein Verhalten absolut rücksichtslos war, da der Patient schlußendlich eine SAB und eine Wirbelsäulenfraktur gehabt hätte. Die Wahrung der Vertraulichkeit halte ich bei dieser Art der Rückmeldung für zweifelhaft und hätte mir eine persönliche Rückmeldung gewünscht, denn schließlich war über das Protokoll mein Name und der Standort bekannt.

 

Keine Frage, natürlich stehe ich absolut dahinter, dass kritisch erkrankte oder verletzte Patienten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der Notwendigkeit einer therapeutischen Intervention notärztlich begleitet werden müssen, sofern ein NA verfügbar ist. Dies war in den Augen aller Besatzungen bei diesen Einsätzen jedoch nicht der Fall. Alle Patienten erhielten eine suffiziente Analgesie und eine prophylaktische Gabe eines Antiemetikums. Alle waren nach ihren Bedürfnissen immobilisiert und monitorisiert, so dass meine Anwesenheit in meinen Augen keinen Unterschied gemacht hätte.

Ich stelle mich der geäußerten Kritik und nehme sie mir auch zu Herzen, daher möchte ich die Fälle hier selbstkritisch vorstellen um zur Diskussion an zu regen.

Meine Absicht ist viel mehr, dass recht schnell Vorgaben definiert sind, aber es nicht immer praktisch umsetzbar ist, gerade in Zeiten eines Mangels an Rettungsmitteln v.a. im ländlichen Raum.

Vortrag Gesundheitskompetenz

Ich durfte diese Woche einen Vortrag zum Thema Gesundheitskompetenz am Gesundheitszentrum Todtnau gestalten. Zwar bleibt die Notfallmedizin meine Passion, aber das Thema Gesundheitskompetenz liegt mir sehr am Herzen, weil ich darin ein extrem großes Potential für unsere Gesellschaft und unser Gesundheitssystem sehe.

Angehängt findet ihr das pdf der Vortragsslides.

Wer sich darüber hinaus informieren will hier der Link zum Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz:

https://www.nap-gesundheitskompetenz.de

 

Ich würde mich freuen bei anderer Gelegenheit erneut über dieses Thema zu sprechen und zu diskutieren, um eine schnellere und flächendeckende Umsetzung der Inhalte zu erreichen. Bei Bedarf kann man mich gerne kontaktieren.

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