Kongresse/Fortbildungen

Ich „teache“ ja leidenschaftlich gerne, aber ich konsumiere auch gern neues Wissen und Eindrücke, die ich exemplarisch und auszugsweise hier vorstellen möchte.

Ankündigung: MEDIZIN 2019

Am Freitag haben Sieglinde und ich wieder die Möglichkeit zwei Sitzungen im Rahmen des 54. Ärztekongresses der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg  auf der Messe Stuttgart am Flughafen zu gestalten.

Die Themen sind allerdings sehr unterschiedlich:

Zusammen mit meinem guten Freund Dr. Wolfgang v. Meißner habe ich die Gelegenheit gleich zu Beginn des Kongresses eine Sitzung zum spannenden Thema Unter- und Überversorgung in der Akutmedizin ab zu halten. Medizinisch, ethisch und ökonomisch ein sehr heißes Thema mit viel Sprengkraft. Es nützt aber nichts den Kopf in den Sand zu stecken, viel mehr geht es darum pragmatische und konstruktive Optimierungspotentiale zu finden und um zu setzen.

Am Ende des ersten Kongresstages am Freitag geht es um eines unserer Steckenpferde: Sieglinde und ich beleuchten die Schnittstelle Rechtsmedizin und Allgemeinmedizin. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind eindeutig definiert, sie sind aber nicht leicht ordnungsgemäß und adäquat um zu setzen. Auch im Bereich Kinderschutz gibt es Hilfestellungen, die nicht jedem Angehörigen der Gesundheitsberufe bekannt sind.

 

Wir freuen uns über alle interessierten Zuhörer und auf eine hoffentlich angeregte Diskussion, denn dies bringt bekanntlich das Salz in der Suppe.

 

Auch sonst freuen wir uns sehr auf den Besuch des Kongresses und der Messe mit lebhaftem Austausch und sicher wieder vielen interessanten Aspekten.

Erfahrungsbericht IC 3 - Kurs

Wer mich kennt weiß, mit welcher Begeisterung ich selber unterrichte und instruiere - auf vielen Kanälen und Ebenen versuche ich Wissen weiter zu geben, was mir große Freude bereitet.

Aber es ist natürlich auch immer eine Wohltat für mich, wenn ich als Teilnehmer und somit als "Konsument" an einer gelungenen und lehrreichen Veranstaltung partizipieren kann.

Und so war ich nach einem Besuch des sog. IC 1 vor ca. einem Jahr nun auf einem IC3 - Kurs, wobei IC für Interpersonal Competence steht und es ein Kooperationsprojekt der Lufthansa und der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) ist.

Schon allein der Veranstaltungsort, dass Veranstaltungshotel "Lufthansa Seeheim" südlich von Frankfurt ist eine Reise wert: Hochwertige Räumlichkeiten und erstklassiges Ambiente machen das Lernen leicht. Eine phantastische Gastronomie sowie eine große Sport- und Wellnessanlage runden das Hotelangebot ab.

Aber natürlich noch viel wichtiger als der Veranstaltungsort ist die Veranstaltung an sich: Vor ein paar Jahren wurde das gemeinsame Projekt von LH und DGOU ins Leben gerufen. Die hauptsächlich ärztlichen Teilnehmer profitieren nun von dem Erfahrungsaustausch und dem resultierenden konstruktiven Geist dieser Kooperation. Durch den Einblick in die Welt der Fliegerei und den Weltkonzern Lufthansa verliert der Mediziner in vieler Hinsicht seine Betriebsblindheit in Bezug auf die Human Factors sowie die Führungsarbeit, welche beim IC 3 im Fokus steht. Beim IC 1 handelt es sich um einen Basiskurs über die Human Factors, der IC 3 richtet  sich v.a. auf (künftige) Führungskräfte im Gesundheitswesen. Es geht dabei nicht darum ganze Abteilungen zu leiten, sondern es setzt bereits viel früher und in kleineren Teams und Gruppen an. Daher ist dieser Kurs nicht nur für Chefärzte oder andere Leitungsfunktionen geeignet, sondern richtet sich an Alle, die in ihrem Job "aus dem Gröbsten raus sind" und sich daher nun der Blick weiten kann.

Ich habe aber nicht nur von den Inhalten profitiert, sondern genau so auch von den Instruktoren sowie den anderen Teilnehmern an sich. Ich durfte in diesen zweit Tagen 20 extrem interessante Menschen kennen lernen und mich mit ihnen intensiv aber ungezwungen sowie lehrreich austauschen. Jeder brachte die Besonder- und auch Schwierigkeiten seiner beruflichen Tätigkeit aktiv in den Kursablauf ein, auch von den extrem unterschiedlichen Persönlichkeiten und Charakteren habe ich sehr profitiert.

Der rege Austausch zwischen den Dozenten und den Teilnehmern ließ die Veranstaltung "wie im Fluge" vergehen, aber ich bin mit vielen positiven Eindrücken und einem Schreibblock voller Ideen und "magic/teachable moments" wieder nach Hause gefahren. Nun habe ich hoch motiviert noch eine ganze Weile damit zu tun die ganzen Eindrücke konstruktiv  auf zu arbeiten, ich freue mich schon sehr auf diesen ganz persönlichen Lerneffekt.

Ich kann diese Veranstaltungsreihe voll und  ganz empfehlen, wobei ich dazu raten würde erst denn IC 1 und später dann den IC 3 zu besuchen, auch wenn dies keine zwingende Voraussetzung ist. 

Einfach in der Suchmaschine des Vertrauens "IC" und "Lufthansa" eingeben, und schon kommt Ihr zu weiteren Informationen zu diesem Kursformat, natürlich stehe ich aber auch für Rückfragen zur Verfügung, wobei ich explizit keine "Aktien" in dieser Veranstaltung habe.

 

Rückblick Jahrestagung "Plattform Menschen in komplexen Arbeitswelten e.V."

Vom 20.6.2018 bis 22.6.2018 fand die diesjährige Jahrestagung des Vereins "Plattform Menschen in komplexen Arbeitswelten" in Frankfurt/Main statt. Für mich war es die mittlerweile dritte Jahrestagung und ich bin auch dieses mal völlig begeistert von der tollen und konstruktiven Atmosphäre. Ca. 70 Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum und aus sehr vielen unterschiedlichen Branchen (Piloten, Flugbegleiter, Ärzte, Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei, Deutsche Bahn, Ingenieure, Psychologen u.a.) folgten der Einladung in die Rhein-Main-Metropole zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch.

Traditionell beginnt die Tagung mit einer Exkursion am Vorabend des ersten Tagungstages, dieses Jahr bekamen wir eine auf die Vereinsinteressen zugeschnittene Führung durch den extrem großen Industriepark Höchst mit seinen chemischen Produktionsstätten. Besondere Beachtung fanden die Planungen und Strategien in der Bewältigung von Störfällen aller Art.

Übergeordnetes Thema dieser Tagung war "Kritische Situationen - Analyse von Ereignissen - Lernen aus Ereignissen" und fand im angenehmen Ambiente der Evangelischen Akademie direkt neben dem berühmten Frankfurter Römer statt. 

Am ersten Tagungstag wurden zunächst die notwendigen theoretischen Grundlagen zu Ereignisanalysen vermittelt, ehe Beispiele aus der Kraftwerksindustrie, der Psychologie und der Chemieindustrie vorgestellt wurden. Am Abend folgte die nächste Arbeitsexkursion mit Besichtigung des 300m hohen Commerzbank-Towers. Wieder wurde hier besonderer Augenmerk auf die Sicherheitstechnik und Unternehmenssicherheit gelegt.

Am zweiten Tag folgten weitere Beispiele von Ereignisanalysen aus der Luftfahrt, Krisenstäben und erneut der chemischen Industrie. Ebenso gab es einen Vortragsblock mit Themen aus dem Bereich der CIRS-Systeme. Nachmittags wurde diese wieder sehr erfolgreiche Veranstaltung nochmal ebenso wie an Tag 1 mit vertiefenden Arbeitsgruppen abgerundet.

Mit großer Freude und auch etwas Stolz hatte ich dieses Jahr die Gelegenheit eine Arbeitsgruppe zum Thema Chancen und Risiken von FOAMED (free open access meducation) zu gestalten, am zweiten Tag durfte ich einen Vortrag zur Umsetzung von CIRS in der Anästhesie halten.

Ich kann nur alle an Human Factors Interessierte ermuntern mal eine solche Tagung dieses aufgeschlossenen Vereins zu besuchen. Wer dann dadurch von der Thematik noch mehr begeistert ist kann sich in die Vereinsarbeit einbringen. Mich jedenfalls überzeugt der multiprofessionelle Ansatz sehr.

So freue ich mich schon jetzt auf die Jahrestagung 2019, welche in Münster stattfinden soll.

Meine Lehren von der RETTmobil

Ich war heute als Herausgeber der Zeitschrift retten! auf der RETTmobil in Fulda unterwegs.  Das letzte Mal war ich vor geschlagenen 14 Jahren dort, da hat sich in der Zwischenzeit schon Einiges getan. Der Fokus liegt weiterhin ganz auf der Industrieschau, als großer Fortbildungsfreak hätte ich mir natürlich gewünscht, dass es auch eine breitere Fortbildungspalette gibt  bzw. die Veranstaltungen nicht an die weit entfernte Feuerwache ausgelagert werden müßten. Ich denke gerade für das nichtärztliche Rettungsdienstpersonal wäre es eine große Bereicherung, wenn man sich auch mehr den fachlichen Themen widmen könnte.

Es ist schon erstaunlich, was die „Rettungsindustrie“ heute so alles hergibt: Fahrzeuge, Fahrzeugausstattung, Geräte aller Art, Bekleidung, sonstige Ausrüstung, Verlage, Fortbildungsanbieter u.v.m. Bei manchen Ausstellungsstücken hatte ich auch das Gefühl, dass da auch eher das Kind im Manne (oder der Frau) angesprochen wurde, aber das darf ja bei dem anstrengenden und mitunter belastenden Job auch mal sein.

Was merklich war ist, dass die Ressource und somit "Ware" MENSCH auch auf dieser Messe eine zunehmende Rolle spielt. Der Personalmarkt qualifizierter Mitarbeiter ist leer und die Angestellten geben sich auch nicht mehr einfach "nur" mit einer Stelle zufrieden, da müssen sich die Hilfsorganisationen schon etwas einfallen lassen. Die Einen probieren es mit Aus- und Fortbildung, die Anderen eben durch hochwertige Bekleidung oder vielleicht über Fahrzeuge, die qualitativ über der Zweckmäßigkeit liegen. Auch technische Hilfen wie elektrische Tragegestelle etc. schonen den Mitarbeiter und tragen zur Gesundheitsförderung bei.

Fazit zur Veranstaltung an sich: Es ist eine etablierte sowie breit aufgestellte und große Veranstaltung, die somit auch per se sehr einflussreich ist. Allerdings bleibt man meiner Meinung nach hier hinter den Möglichkeiten weit zurück. Es ließe sich bei der großen Besucherzahl und somit Lobby deutlich mehr erreichen. Aber dies lässt sich halt (leider) nicht in einem monetären Veranstaltungsgewinn ausdrücken.

 

Persönlich hat es mich riesig gefreut zwischen der ganzen Technik auch einige „alte“ Kollegen wieder getroffen zu haben, die ich teilweise seit Jahren schon leider nicht mehr persönlich gesehen habe. Habt alle herzlichen Dank für die schönen Begegnungen!

 

Der Thieme-Verlag ist mit einem großen sowie hellen Stand vertreten, der zum Blättern in den ausliegenden Fachzeitschriften und Sachbüchern aus dem notfallmedizinischen Verlagsprogramm einlädt. Natürlich geht es selbstverständlich auch darum neue Leser zu gewinnen und die Produkte vor zu stellen, es ist den Anwesenden Verlagsmitarbeitern aber ein ebenso großes Anliegen ein Feedback von den „erfahrenen“ Lesern zu bekommen. Es ist nämlich eine Schwäche der Printmedien, dass man nicht so einfach an ein fundiertes und breites Feedback kommen kann, da ist dann eine so gut besuchte Veranstaltung eine große Chance für den Verlag und uns Herausgeber. Nur weil mir vielleicht ein Thema oder Artikel gut gefällt, muss es noch lange nicht bei der Mehrheit der Leser so sein.

Ich kann nur alle Leser von Thieme-Produkten, uns insbesondere die retten!-Leser, ermutigen an den Stand zu kommen und mit uns zu diskutieren und hierdurch selbst einen aktiven Part in der Zeitschriftengestaltung zu übernehmen. Am Besten geht es eben in einem persönlichen Gespräch vor Ort, aber man kann natürlich auch jederzeit schriftlich an die Redaktion mit Wünschen und Kritik herantreten. Ich bin natürlich auch für Rückmeldungen dankbar, die direkt an mich gerichtet werden, ich reiche es dann weiter.

 

PS: Ich hab mir da noch ein praktisches schnuckliges kleines First-Responder-Auto ideal für den Einsatz auf dem Lande bestellt, ich hätte es auch gleich mitgenommen, aber sie wollten es mir nicht einpacken...

Mein DAC-Rückblick Tag 3

Der DAC 2018 ist Geschichte. Auch wenn ich mich an Tag 3 auch maßgeblich um meine berufliche Zukunft gekümmert habe (ich werde zu gegebener Zeit berichten), so besuchte ich doch auch nochmal einige Vorträge, über die ich im Folgenden berichten will. Es waren an Tag 3 so viele notfallmedizinische Sitzungen im Programm, dass man gar nicht die Chance hatte alle Vorträge zu besuchen, denn es gab mehrfach Parallelveranstaltungen. Dies war begründet in einer durchlaufenden Sitzungsserie der Rubrik "facharzt fit" und parallel dazu noch mehrere notfallmedizinische Hauptsitzungen. Grundsätzlich ist es aber begrüßenswert so viele Veranstaltungen zur Notfallmedizin an zu bieten und die hohe Teilnehmerzahl an diesen Sitzungen zeigen auch den entsprechenden Bedarf bzw. Interesse an der Thematik. Ich will also nicht meckern...

Zu Beginn besuchte ich aus der Reihe "facharzt fit" die Sitzung "Das A-Problem in der Notfallmedizin: Keiner stirbt am Atemweg".

Hierbei ging es nicht darum, Weltneuheiten zu präsentieren, sondern wie es der Name der Sitzungsreihe vermuten lässt eine solides Fundament für eine Tätigkeit in der Notfallmedizin zu sichern. Den Anfang machte Prof. Timmermann aus Berlin, einer der namhaftesten Atemwegsexperten aus dem deutschen Raum mit seinem Vortrag "Der präklinische Atemweg - Optimum und Machbarkeit". Dabei ging er auf die besonderen Ansprüche an eine Atemwegssicherung in der präklinischen Notfallmedizin ein, ebenso aber auch über die deutlich erschwerten Grundvoraussetzungen. Ich denke man braucht keine Angst vor der Atemwegssicherung zu haben, aber Demut und Respekt schadet uns allen nicht, egal aus welchem Fach wir kommen. Denn bekanntlich kommt der Hochmut ja vor dem Fall... Anschließend kam mit Prof. Byhahn aus Oldenburg ein weiterer ausgewiesener Experte zu Wort. Er berichtete unter der Überschrift " Fallbeispiel: Patient mit LT beatmet im Schockraum" von erschreckenden Ereignissen nach fehlerhafter Anwendung von Larynxtuben. Zu häufig werden die LT massiv überblockt, was zu einer venösen Stauung und Schwellung der Zunge und des Mund-/Rachenraums führt und eine spätere endotracheale Intubation auch fiberoptisch unmöglich machen kann. Es ist dringend darauf zu achten, dass der Cuffdruck unter 60mmHg liegt.  Weiter wurde ein Fall vorgestellt, bei dem die Spitze des LT abgeknickt war und die Beatmung massgeblich behinderte. Weiter kam es zu einer heftigen Magenüberblähung. Da keine Magensonde eingelegt wurde, blieb diese auch unentdeckt. Bei den aktuellen supraglottischen Atemwegshilfsmitteln ist der "Absaugkanal" unbedingt für die unmittelbare Einlage einer Magensonde zu nutzen. Als nächstes war den Prof. Kill aus Essen an der Reihe mit seinem Beitrag "Prähospitale Versorgung". Er warnte auch noch einmal vor einem unkritischen Einsatz des Larynxtubus und stellte dann aber die Vorteile der Videolaryngoskopie in den Vordergrund. Hierzu stellte er auch die Wachintubation unter Analgosedierung (Bsp. Ketanest) insbesondere bei kardiorespiratorisch instabilen Verhältnissen vor, wobei ich mich soweit aus dem Fenster lehnen würde diese Technik nur für Erfahrene zu empfehlen.

Die nachfolgende Sitzung dieser Reihe lautete "Das B-Problem in der Notfallmedizin: Wer A sagt muss auch B sagen". Erneut trat Prof. Kill aus Essen ans Rednerpult und sprach nun zum Thema "Spielarten der Atemnot in der Notfallmedizin". Dabei ging er insbesondere nochmal auf die grundsätzlichen Entitäten der Respiratorischen Versagens mit Störungen der Ventilation, Diffusion (für mich gibt es das schon) und der Perfusion ein. Daraus ergeben sich neben speziellen Gefahren aber auch spezifische Therapieansätze von der Sauerstoffgabe, über Medikamente bis hin zur Atemwegssicherung und Beatmung sowie invasivem Lungenersatz. Anschließend stellte Dr. Reifferscheid aus Kiel Kasuistik mit der Überschrift "Fallbeispiel: Dyspnoe und rosa Schaum vor dem Mund" vor. Es handelte sich um einen HEMS-Einsatz bei einem Patienten mit dekompensierter Linksherzinsuffizienz. Nachfolgend übernahm PD Roessler aus Göttingen ans Mikrofon und berichtete mit "NIV in der Präklinik und der Notaufnahme" über eines seiner Steckenpferde. Glücklicherweise finden entsprechende Beatmungsgeräte immer mehr Verbreitung in der Präklinik und die Anwendung wird besser geschult. Dennoch wird man nicht "einfach mal so" eine NIV anbieten und durchführen können, sondern hier bedarf es auch wieder praktischer Erfahrung und Routine. Alle Massnahmen und Bemühungen diese Routine bei ärztlichen wie nichtärztlichen Personal zu schaffen sind zu begrüßen. Nur so lässt sich die Anzahl der endotrachealen Intubationen (und ohne Zunahme der Komplikationsrate)  verringern.  Auf diesen Aspekt ging dann auch der nächste Referent Dr. Kumle aus Villingen-Schwenningen mit seinem Vortrag "Zeitgemäße Ventilation in der Akutmedizin - Luftpumpe ade" ein. Zum Einen braucht es hierfür moderne Beatmungsgeräte mit für den Patienten gut zu tolerierenden Beatmungsmustern. Jedoch braucht jedes Gerät aber eben auch einen gut geschulten und zur Massnahme befähigten Anwender, hier sind gute Anfänge gemacht, die aber sicher noch ausgebaut werden können.

Die nächste mehr berufspolitische Sitzung, welche für mich persönlich aber große Bedeutung besitzt, lautete "Klinische Akut- und Notfallmedizin - ein Ausblick". Prof. Gries aus Leipzig referierte hierbei zum Thema "Zusatzweiterbildung - klinische Akut- und Notfallmedizin: 14 Tage vor dem Ärztetag!" Nach jahrelangen Diskussionen verschiedener Institutionen mit stellenweise kontroversen Ansichten ist man nun zwei Wochen vor dem Ärztetag mit dem Entscheid zur neuen Musterweiterbildungsordnung fast nur noch zum Abwarten verdonnert. Wenn es aktuell nun schon keinen Facharzt für klinische Notfallmedizin in Deutschland geben wird, so wäre es ein extrem wichtiger Meilenstein, wenn sich zumindest die Zusatzweiterbildung umsetzen ließe. Mittlerweile wage ich aber hierzu keine Vorhersage mehr, zu oft änderten sich bereits die Meinungen der Interessensgruppen. Das Thema des nächsten Vortrags "Personalplanung für die Notaufnahme heute: Alles nur Improvisation?" von Dr. Kumle (Villingen-Schwenningen) hört sich zunächst scheinbar trocken an, hat aber dennoch höchste praktischer Relevanz. Improvisation ist keineswegs die Lösung, vielmehr muss eine bedarfsorientierte Flexibilität erreicht werden. Notfallmedizin findet einfach nicht werktäglich von 8-16 Uhr statt, sondern v.a. am Wochenende und außerhalb der normalen Geschäftszeiten. Daher ist es besonders wichtig die Art und Anzahl der Patienten 24h/Tag zu erfassen, denn somit lassen sich gute Vorhersagewerte über die Patientenströme generieren. Hinzu kommen natürlich immer a priori nicht vorhersehbare Sonderlagen, auf die man spontan reagieren und dann manchmal auch Improvisationstalent beweisen muss.

Meinen Kongressabschluss bildete die Sitzung "Hot Topics der Notfallmedizin" unter dem Vorsitz von Dr. Wnent  und meines geschätzten Freundes PD Jürgen Knapp. Zu Beginn referierte Dr. Hossfeld aus Ulm zum Thema "A: Tipps und Tricks der Videolaryngoskopie in der Notfallmedizin". Björn ist ja ein versierter und extrem erfahrener Verfechter der Videolaryngoskopie und er spricht mir mit seinen Aussagen aus dem Herzen. Alle Notfallintubationen sind potentiell schwierige Intubationen bei schwer beeinträchtigten Patienten mit niedriger Hypoxietoleranz. Welches Produkt man dabei verwendet erscheint für mich persönlich eher Geschmacksache zu sein, viel wichtiger ist jedoch die Routine mit dem Gerät. Daher ist es auch kein Allheilmittel für den in der Intubation nicht erfahrenen Anwender. Ebenso bringt es nicht so viel, wenn der Anästhesist im OP und der Präklinik mit unterschiedlichen Modellen arbeiten muss. Darüber hinaus sind natürlich noch die verschiedenen Spatelformen zu beachten, ebenso ob man mit einem normalen Führungsstab (Hockeyschläger-Form) oder ein Stylet/Bougie nutzt. So oder so braucht es um die Vorteile der Videolaryngoskopie voll ausschöpfen zu können geübte Anwender und Assistenten.

Der nächste Vortrag lautete "B: Vorsicht bei alternativen Atemwegen in der Notfallmedizin?" gestaltet von PD Bercker aus Leipzig. Er verglich die Vor- und Nachteile sowie die Indikationen der endotrachealen Intubation mit den extraglottischen Atemwegshilfen. Grundsätzlich bleibe ich dabei, dass es sich bei den extra- oder supraglottischen Atemwegshilfen (EGA,SGA) um "ALTERNATIVEN" handelt, die kein Plan A sein sollten. Ausnahme ist hier nur die Atemwegssicherung im Rahmen der CPR durch einen nicht in der Intubation erfahrenen Anwender. Es gibt sogar Studien die suggerieren, dass die endotracheale Intubation bei CPR mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Aber ich halte dies für einen Bias: Es kommt mal wieder nicht so sehr darauf an, was man tut, sondern WIE man es tut. Wenn man intubiert, muss es mit einem Minimum an no-flow-time und ohne reduzierte Qualität der Thoraxkompressionen erfolgen. Die endotracheale Intubation ist und bleibt der Goldstandard der Atemwegssicherung! Im Folgenden ging PD Bercker auf die unterschiedlichen SGA mit ihren Vor- und Nachteilen sowie den modellabhängigen Risiken ein. Der Hype um den Larynxtubus scheint vorbei zu sein, wobei es nicht am Device an sich liegt, sondern wieder einmal mehr an der Anwendung. Es ist sicher nicht wie erhofft ein Allheilmittel der Notfallmedizin.

"C: Manuelle oder maschinelle Thoraxkompressionen? Was, wann und warum?" lautete der folgende Vortrag von PD Birkholz aus Erlangen. Er stellte nochmal die auf dem Markt verfügbaren Geräte mit ihrem Funktionsprinzip vor. Ebenso betonte er, dass die mCPR in den aktuellen ERC-Leitlinien nicht grundsätzlich empfohlen werden (da sich bisher kein verbessertes Überleben hierfür gezeigt werden konnte), sondern nur für Situationen mit besonderer Gefahrenlagen und langer Reanimationsdauer. Dennoch wird genau für diese Geräte eine flächendeckende Vorhaltung gefordert, um bei den genannten Situationen unmittelbar ein Gerät zur Verfügung zu haben, was Herr Birkholz dann "mCPR-Paradoxon" bezeichnete. Es gibt Daten die nahelegen, dass bei mCPR mit einem schlechteren neurologischen Outcome zu rechnen ist. Aber auch hier fürchtet Herr Birkholz und ich auch einen erheblichen Bias. Bei den mCPR handelte es sich oft um prolongierte Reanimationssituationen, die unter manueller CPR nicht überlebt bzw. die Reanimation eher abgebrochen worden wäre. Ebenso kann bei mCPR die Beatmung etwas schwerer sein, weswegen hier besonders die Anwendung der Kapnographie zu fordern ist, um die Qualität der Beatmung und der Thoraxkompressionen zu erfassen und ggf. optimieren zu können. Hier wurde auch nochmal die Sinnhaftigkeit der maschinellen Beatmung unter CPR besprochen, hier gibt es mitunter widersprüchliche und oft nicht ermutigende Daten - es bleibt spannend ob und wie sich hier ggf. die einschlägigen Empfehlungen verändert.

Den Abschluss der Session gestaltete Frau Dr. Wilke (Nauen) mit ihrem Vortrag "D:Geriatrische Patienten - Fokus übersehene Gefahren: Hyponatriämie und Infekt". Sehr engagiert und kompetent stellte sie die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen dieser großen (der größten!) Patientengruppe dar. Ich bin ihr persönlich hierfür sehr dankbar, denn die geriatrischen Patienten liegen mir sehr am Herzen. Diese Patienten haben leider keine Lobby und die Behandlungsqualität ist nachgewiesenermaßen schlechter als bei jüngeren Patienten. Als Ausrede wird hierfür nicht selten ein reduzierter Therapiewille unterstellt, was aber eigentlich nicht gelten darf, denn oft werden die angezeigten Massnahmen schon ergriffen, aber leider oft zu spät, nicht adäquat oder ohne Kontrolle. Frau Dr. Wilke erinnerte nochmal dankenswerterweise an die Entitäten der Hyponatriämie und der Infektkonstellation, die häufig nicht erkannt oder nicht angemessen therapiert wird. Aber dabei verursachen gerade diese Entitäten eine verstärkte Gangunsicherheit und eine relevant erhöhtes Sturzrisiko mit mitunter deletären Folgen. Geriatrische Patienten präsentieren sich sehr häufig mit 'non-specific complaints', was die Diagnosefindung nicht gerade einfacher und häufig zur Herausforderung macht. Aber ist das nicht genau unser Anspruch auch die schwierigen Fälle zu meistern? Dann mal los!