Schuster, bleib bei Deinen Leisten...

Die aktuelle Situation ist für Alle nicht leicht und für manch Einen sogar existenziell - daher steht es mir nicht zu hier zu Jammern, denn es geht mir im wahrsten Sinne des Wortes "Gott sei Dank" gesundheitlich, privat und beruflich gut.

Dennoch möchte ich einen mahnenden Appell an meine Leser und die Allgemeinheit richten: Auch für mich als Arbeiter im Gesundheitswesen ist es momentan mehr als schwer an fundierte und verlässliche Informationen zur Pandemiekrise zu kommen. Dennoch bilde ich mir ein recht gut die dargebotenen Informationen einigermaßen bewerten zu können. Aber wie ergeht es der Normalbevölkerung mit Ihren Fragen, Bedenken und Sorgen und der Informationsflut auf allen Medienkanälen?

Der wichtigste Schritt wäre, dass alle "Experten" professionell bei ihrem Fachgebiet mit der entsprechenden Expertise bleiben. Und wenn das eigene Gebiet nicht zur Pandemie beiträgt oder die eigene Fachkenntnis nicht ausreicht, sollte man sich lieber in Zurückhaltung üben, um nicht Fake-News in die Welt zu setzen.

 

Und damit meine ich wahrlich nicht nur Staatsoberhäupter in Übersee, die annähernd täglich wirre Dinge von sich geben.

 

Wir sind auch hier von Politikern umgeben, die medizinische Aussagen wie Gesundheitsfachpersonal von sich geben. Es entsteht eine unheilvolle Mischung zwischen medizinischen Ratschlägen und zum Teil irrationalen Massnahmen/Vorgaben. Dafür lassen Sie sich dann aber mitunter für Millionen Euro unbrauchbares Material verkaufen. Im wild entschlossenen Aktionismus werden Massnahmen erlassen, die man dann aber teilweise nicht mal mehr selber erklären kann.

 

Virologen nehmen dafür dann auch Stellung zu rein gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Fragen. Dabei sind sie die Experten für Viren und müßten derzeit daher so viel zu tun haben, dass man sich fragen muss, warum manche Mitglieder ihrer Zunft ständig Zeit für Talkshows etc haben. Dafür wird dann praxisfern und unrealistisch mit dem R-Faktor jongliert. Da aber weiterhin vermutlich nur ein kleiner Teil der Infizierten abgestrichen und somit formell diagnostiziert werden, ist die Untererfassung sehr wahrscheinlich hoch. Somit ist aber der Reproduktionsfaktor nicht mehr korrekt.

 

Eigentlich gibt es eine klare Aufgabentrennung zwischen Pathologie und Rechtsmedizin, nun prescht ein Rechtsmediziner hervor ohne jeglichen strafrechtlichen Anfangsverdacht und die Pathologen versuchen ihm hinterher zu eilen.

 

Dafür bekommt Prof. Wieler, der scheinbar ruhige und souveräne Leiter des altehrwürdigen Robert-Koch-Instituts (RKI) dann Schelte, weil er "nur" sachliche Aussagen im Rahmen der täglichen Pressekonferenzen trifft und sich eben keine Zeit für Talkshows nimmt. 

 

Weitere Mitglieder der Diskussionsrunden lassen gänzlich einen Bezug zur Krise vermissen, haben aber unglaublich viel zu sagen.

 

Es gäbe noch viele Beispiele zu nennen. "Seriöse Quellen" berichten nun, dass man glücklicherweise nun auf 80 Millionen Corona-Experten in Deutschland kommt - was bin ich froh! Dabei meint es vermutlich bis auf ein paar schwarze Schafe, dies es immer gibt, niemand böse. Jeder will in dieser Zeit helfen und die Situation besser machen.

Dafür gibt es in meinen Augen auch eine hervorragende Möglichkeit: Jeder bleibt bei seinem angestammten Metier und gibt dafür dort sein Bestes mit einem Optimum an Professionalität!

 

Der Grund für das schier babylonische Informationsgewitter ist für mich klar: Die Menschen sind verunsichert bis verängstigt  und sind auf der Suche nach Klarheit. Dabei saugen sie alles auf, was ihnen vor die Augen und Ohren kommt, aber filtern (bewerten) können sie die Inhalte nicht. So entsteht eine unheilvolle Melange an scheinbaren Fakten, die aber vermutlich nicht viel mit der an zu nehmenden (weil "man" es aktuell einfach nicht genau weiß) Realität zu tun hat. Und wir leben in einer Zeit, in der es offensichtlich nicht akzeptiert werden kann, wenn man eine Frage nicht beantworten kann, weil die Fakten hierzu schlichtweg allgemein unbekannt sind.

 

Ein anderer Aspekt ist das urmenschliche Bedürfnis nach einer Bezugsperson im Sinne einer Leitungskraft. Hierfür werden aber im Trubel der Zeit oftmals die Personen als "Leitwolf" ausgesucht, die scheinbar am meisten zu sagen haben. Sie suggerieren durch ihren sicheren medialen Auftritt Souveränität und unglaublich schnell entsteht großes und allumfassendes Vertrauen. Aber ist dies angemessen? Ich glaube nicht.

 

Und nein: Ich bin kein ausgewiesener Covid19-Experte und ich bin froh um jeden Tag, an dem man nicht um meine Meinung und Einschätzung bittet. Am Liebsten bezeichne ich mich als einfachen medizinischen Straßenköter, der einfach aber hoch motiviert und mit aller Kraft versucht jeden Tag als Allgemein- und Notfallmediziner sein Bestes zu geben. Zumeist tue ich dies direkt am Patienten und in eng umschriebenen Mass nun auch in manch kleiner Leitungsfunktion. Damit habe ich mehr als genug zu tun, zumal ich mich ja zudem auch für meine Familie verantwortlich fühle. Daher möchte ich den vielleicht entstandenen Eindruck entkräften ich sei auf die oben genannten Personen neidisch. Im Gegenteil, ich bin froh nicht in die Scheinwerfer und die Kameras lächelnd blicken zu müssen mit der Vorgabe keine Frage offen zu lassen. Ja, ich komme täglich in unterschiedlicher Form mit dieser Erkrankung in Kontakt, aber eben nur in einem kleinen Bereich der Pandemie -und ich bin froh darüber. Daher traue ich mir aber auch nur Aussagen zu diesem sehr kleinen Bereich zu und vermittle es gern im Rahmen meiner Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen.

 

Hey Leute, ich bitte Euch:

- Bleibt bitte besonnen und zuversichtlich, wir haben allen Anlass dafür!

- Gebt in Eurem Fachbereich gerade jetzt Euer Bestes mit einem Höchstmaß an Professionalität!

- Habt ein Ohr für die Sorgen, Ängste und Nöte Eurer Mitmenschen und helft dadurch einander. Man muss aber hierfür nicht jede Frage beantworten können, sondern kann sie auch mal offen lassen.

- Haltet zusammen und und bietet Eure Hilfe an, annähernd Jeder kann Gutes tun, auch ohne Expertenwissen.

- Haltet den wahren Experten dadurch den Rücken frei, in dem sie in Ruhe ihre Arbeit mit allen notwendigen Ressourcen machen können.

- Und für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft ist es momentan absolut ausreichend und sogar sehr hilfreich sich mal zurück zu nehmen bzw. daheim zu bleiben. Diese Untätigkeit ist nicht leicht und oft auch belastend. Schwer aus zu halten, keine Frage, aber aktuell absolut notwendig. Disziplin ist ein sehr passendes Wort, aber es ist die letzten Jahre leider aus der Mode gekommen.

 

Abschließend sage ich herzlichen und aufrichtigen Dank an Alle, die dieser Tage wirklich Unglaubliches geleistet haben. Sie sieht man nur selten in den Medien, denn sie haben dafür keine Zeit, sie wollen einfach nur ihre wertvolle Arbeit machen. Sie sind die wahren Helden der Krise. Ich möchte keine Beispiele nennen, denn gleichzeitig würde ich viele Andere vergessen. Jeder weiß, wen ich meine, es sind allein in Deutschland Millionen liebenswerte Menschen. Durch unaufgeregten Zusammenhalt und Eure Hilfsbereitschaft, jedoch ohne blinden Aktionismus, werden wir die Krise bewältigen. Gern nutze ich hier ein altbekanntes Zitat: "Wir schaffen das!"