Lebenswege Teil 2&3

Nachdem ich in Teil 1 schon so meine Andeutungen gemacht habe, möchte ich hier mal ganz unfachlich in eigener Sache berichten und informieren.

 

Die letzten Monate waren beruflich gesehen für mich sehr turbulent: 

Zu Jahresbeginn hatte ich die Chance erhalten mit einem sehr guten Freund und geschätzten Kollegen als Chef mit zu helfen eine große Notaufnahme neu zu strukturieren und auf zu bauen (als Oberarzt). Das erschien für mich "DIE" Karrierechance sowie mein Weg in die innerklinische Notfallmedizin zu sein. Ich richtete meine berufliche Planung voll darauf aus mit Kündigung meiner bisherigen Arbeitsstelle und Planung mit der Familie einer nicht absehbaren "Pendelphase" mit Fernbeziehung. Die Planungen schritten immer weiter voran und wir erzielten große planerische Erfolge. Die ganzen Pläne platzten jedoch dann abrupt, nachdem ca. 2 Monate vor Projektstart sich die kaufmännische sowie die ärztliche Direktion des Krankenhauses sich nicht einig wurden, was die Ausrichtung der neuen Notaufnahme angeht. Dies war schon eine herbe Enttäuschung, als wir unser großes Projekt zu Grabe tragen mussten.

 

Meine Miene erhellte sich dann wieder, als ich zwei Wochen darauf ein Jobangebot an einer anderen bereits etablierten großen Notaufnahme als Facharzt bekommen hatte. Zwar hätte auch diese Stelle ein Pendeln zur Familie notwendig gemacht, aber mit einer deutlich kürzeren Strecke. Alle Planungen schritten zügig und erfreulich voran, auch ein Apartment hatte ich schon neben der Klinik angemietet. Zutiefst schockiert war ich dann aber, als mir auch diese Stelle nun ca 3 Wochen vor dem Arbeitsbeginn abgesagt wurde, nachdem der Betriebsrat meine Einstellung blockiert hatte. Ich hatte mich initiativ beworben, eine Betriebsvereinbarung sieht jedoch nur eine Stellenvergabe nach vorheriger Stellenausschreibung vor. Dies wurde dann quasi über Nacht nachgeholt. Prompt bewarb sich daraufhin ein interner Kandidat und eine weitere Betriebsvereinbarung kam zur Geltung: Bei ausreichender, nicht unbedingt gleicher oder besserer Qualifikation für die Stelle ist der interner Bewerber vor zu ziehen. So war ich quasi über Nacht aus dem Rennen.

Nun stand ich wieder drei Wochen vor dem Ende meines alten Jobs ohne neue Arbeitsstelle da, was mich schon zunächst verzweifeln ließ. Viele Mails, Nachrichten etc später besserte sich meine Panik jedoch deutlich, da ich mehrere kurzfristige Überbrückungsangebote von lieben Kollegen und Freunden erhalten habe. Aktuell ist jedoch eine neue tolle und längerfristige berufliche Chance in Sicht, der ich gern den Vorzug geben möchte. Meine zunehmende leidgeprüfte Zwanghaftigkeit sorgt nun jedoch dafür, dass ich darüber erst informieren werde, wenn Alles unter Dach und Fach ist und ich die neue Stelle angetreten habe.

 

Das ganze berufliche Auf und Ab der letzten Monate wurde jedoch gestern plötzlich und unerwartet völlig lächerlich, nachdem mir die Todesnachricht eines von mir unglaublich geschätzten Piloten überbracht wurde, mit dem ich viel und sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Ich verliere somit einen beruflichen Kollegen, und noch viel mehr einen Kameraden und guten Freund. Alle in der präklinischen Notfallmedizin Tätigen wissen, wie eingeschweißt die Teams sind und sie dadurch in manch übler Situation über sich hinauswachsen können. Verliert man so einen für sich selbst sehr wichtigen Menschen, zieht es einem die Füße weg wie der Verlust eines nahen Familienmitglieds. Wir stehen noch am Anfang unserer Trauer, aber wir machen unseren Job im Sinne und zum Wohle unserer Patienten. Guten Flug mein Freund, ich vermisse Dich!

Entschuldigung an Alle, die aktuell auf irgendwas von mir warten, ich muss mich erst sortieren und dann greife ich wieder an, bitte habt Geduld mit mir.

 

Wie in Teil 1 der Lebenswege geschrieben scheint das Leben wirklich analog zu den Lauftrails manchmal wirklich extrem steil und steinig zu sein, so dass einen auch mal kurzfristig der Mut verlässt. Aber es muss weitergehen um das Ziel zu erreichen. Manchmal hat das Schicksal/Leben Umwege für einen parat, die ich menschlich naiv nicht so einfach verstehen kann, aber wir müssen lernen sie zu akzeptieren, so lange sie schlußendlich in die richtige Richtung führen.